Who’s your Mommy?

Schwanger sein ist der schönste und gleichzeitig zermürbendste Zustand, in dem du dich jemals befunden hast.

Das Schöne hattest du irgendwie erwartest. Die glänzende Haut, das seidige Haar und die kleinen Tritte in deinem Bauch. Dass du beim Niesen ein bisschen pinkeln musst, hat dir keiner gesagt. Auf die 17. ungefragte Geburtstrauma Story von der Cousine der Nachbarin von Onkel Ralf hättest du auch gern verzichtet. Ebenso wie auf all die allwissenden Mommy Influencerinnen, die dir in ihren Posts sagen, dass du gerade deine Plazenta zerstört hast, weil in deinem Weihnachtstee Süßholzwurzel war und der Zimtstern dazu löst übrigens vorzeitige Wehen aus. Und völlig Fremde teilen aus dem Nichts so hilfreiche Weisheiten mit dir wie, dass sich die meisten Paare innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Geburt trennen. Außerdem ist es fahrlässig von dir, wenn die Baby Klamotten nicht aus Wolle Seide sind. Massier gefälligst deinen Damm jeden Tag 70 Minuten und ohne das Hüpfen auf dem Gymnastikball kannst du deinem Beckenboden schon mal Adios sagen. Nebenbei suchst du bitte Hebamme, Kinderärztin, Kitaplatz, sicherst 3 Jahre Elternzeit finanziell wasserdicht ab, suchst den perfekten Ort für deine selbstbestimmte Traumgeburt, machst die Wohnung babysicher und das wichtigste: du beschwerst dich dabei nicht. Denn schließlich bist du schwanger und nicht krank.

All das prasselt auf dich ein und du sitzt da mit deinen kleinen geschwollenen Füßen und deinem befremdlich aussehenden Bauchnabel. Du bist gleichzeitig so glücklich und hast so große Angst wie noch nie zuvor. Noch nie im Leben wolltest du so sehr alles richtig machen wie jetzt. Und noch nie hattest du so sehr das Gefühl, dass das unmöglich ist.

“Who’s your Mommy?” beschäftigt sich auf selbstironische Art und Weise mit den persönlichen emotionalen Diskrepanzen innerhalb einer Schwangerschaft.

Artist Statement (2024)